28.05. bis 31.07.2014 Zamek Ksiaz (vormals Schloss Fürstenstein)

Zamek Książ (vormals Schloss Fürstenstein)
31.07.2014

Schloß Fürstenstein ist das größte Schloß Schlesiens mit wunderschönen Räumen und einer langen Geschichte. Die Verantwortlichen hatten für die feierliche Eröffnung der Ausstellung den schönsten Raum auserwählt, nämlich den Maximiliansaal. Viele Besucher des Schlosses lernten anlässlich von Führungen in der neu restaurierten 3. Etage Emil Krebs kennen

Nachstehend das zur Eröffnung verlesene Grußwort von Herrn Hille. Er konnte aus dienstlichen Gründen an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen.

„G. Hille, Vortragender Legationsrat I. Kl. 22.5.2014

Leiter Sprachlernzentrum Auswärtiges Amt

Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung „Emil Krebs – Kurier des Geistes“ am 27. Mai 2014 in Schloss Fürstenstein

Als stellvertretender Leiter des Sprachendienstes im Auswärtigen Amt, in dem der hier vorgestellte Emil Krebs bis zu seinem Tod als Übersetzer gearbeitet hat, freue ich mich ganz besonders, diese Worte an Sie richten zu können. Ich weiß, dass der Schirmherr dieser Veranstaltung, Ministerpräsidenten Dr. Dietmar Woidke, unsere gemeinsamen Bemühungen um Verständigung und Solidarität zwischen Deutschland und Polen, aus vollem Herzen unterstützt. Auch in seinem Namen darf ich den Verantwortlichen hier im Schloss Fürstenstein danken, dass Sie unserer Ausstellung ihre Türen geöffnet haben.

„Wo Menschen sich begegnen, entsteht Vertrauen“ – nach diesem Motto begreifen wir den Kultur-Austausch nicht als Randthema, sondern als wichtigen und gleichwertigen Teil unserer Außenpolitik. Die Beschäftigung mit der Kunst und der Kultur des anderen ist ein Grundpfeiler unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Hierzu gehört auch das Erlernen der Sprache unserer polnischen Freunde und Nachbarn, das wir hier im Auswärtigen Amt, aber auch in den Schulen und Universitäten weiter ausbauen wollen

In der Person von Emil Krebs wird das gemeinsame kulturelle Erbe unserer beider Länder verkörpert. Emil Krebs, im heutigen Polen geboren, war ein Sprachgenie. Im Sprachendienst des Auswärtigen Amt, wo er zum Schluss seiner Laufbahn als Übersetzer und Dolmetscher arbeitete, hieß es, „er ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter“, weil er aus ebensoviel Sprachen ins Deutsche übersetzen konnte.

Emil Krebs sammelte Sprachkenntnisse mit einer Leidenschaft, die nie fragwürdigen Ruhm oder populistische Rekordsucht zum Ziel hatte, sondern allein dem Phänomen der menschlichen Sprache galt. Dabei ging es Krebs nicht in erster Linie darum, in allen seinen Sprachen zu kommunizieren. „Er schwieg in 45 Sprachen“, sagte eine seiner Tischdamen nach einem offiziellen Essen. Emil Krebs wollte vielmehr den Aufbau einer Sprache und die „Philosophie dahinter“ verstehen, worin er den Schlüssel zum Verständnis von fremden Kulturen und Menschen sah. Diesen Schlüssel zumindest zum Verstehen der eigenen Nachbarn kann ich aus eigener Erfahrung von Herzen empfehlen: wenn Deutsche Polnische und Polen Deutsch gelernt haben, ist die Kommunikation und Kooperation in der Regel unproblematischer als beim Benutzen einer Drittsprache, hinter der nicht die Kultur der Gesprächspartner sichtbar wird. In diesem Sinne möchte ich die Gelegenheit nutzen und uns alle zum Erlernen der Nachbarsprache Polnisch bzw. Deutsch ermuntern.

Es geht in dieser Ausstellung zwar vorrangig um Emil Krebs, es geht aber auch um das Verhältnis von Sprache und Diplomatie sowie um eine Epoche, in der man sich erstmals den Herausforderungen weltweiter Diplomatie jenseits der Grenzen Europas stellen musste. Heute sind wir, Deutsche und Polen, in Europa enge Partner, die es nur gemeinsam schaffen können, in Zeiten der Globalisierung im vielfältigen Chor der Völker gehört zu werden.

Die gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen soll auch zukünftig weiter intensiviert und ausgebaut werden. Die vielen gemeinsamen deutsch-polnischen Projekte zeigen, dass sich diese Zusammenarbeit keineswegs auf die politische Ebene beschränkt. In starkem Maße wird sie durch gesellschaftliches Engagement und Austausch ausgefüllt.

Ich möchte heute insbesondere den Verantwortlichen des Schloss Fürstenstein für die Bereitstellung dieses außerordentlichen Ambientes zu dieser Ausstellung danken. Mein Dank gilt aber auch dem unermüdlichen Einsatz von Eckhard und Margit Hoffmann, die das Andenken an Emil Krebs und seine überragende Leistung der Nachwelt zur Kenntnis bringen und diese Ausstellung auf den Weg gebracht haben. Ich hoffe, dass möglichst viele Menschen diese Ausstellung sehen werden und daraus vielleicht Lust und Energie zum Sprachenlernen schöpfen, damit Europa gestärkt wird und dabei in seiner kulturellen und sprachlichen Vielfalt erhalten bleibt.“